Vor schwierigen Terminen setzen sich viele Menschen unter Druck. Das muss nicht sein, weiß Kathrin Gillner. Erfahren Sie im Gastbeitrag der Psychologin, wie Sie auf einer Welle der mentalen Stärke surfen, wenn es brenzlig wird - Übungen inklusive.

von Kathrin Gillner

Astrid A., 47 Jahre, Architektin, hat morgen früh um acht Uhr einen Termin mit ihrem Chef Peter M. Ihr liegt dieses innovative Projekt sehr am Herzen. Sie weiß, dass ihre Entwürfe ungewöhnlich sind und den Bauträger überraschen werden. Astrid A. folgt ihren Idealen und hat eine Vision, wie die Architektur der Zukunft aussieht. Peter M. teilt diese Meinung nicht. Das weiß sie. Doch sie möchte einen kompetenten Eindruck erwecken und Peter M. dafür gewinnen, hinter ihrer Idee zu stehen. Sie träumt schon lange von der Chance, ihre ureigenen Entwürfe beim Kunden zu präsentieren.

Am Vorabend kreisen die Gedanken. Astrid A. stellt sich vor, wie das Gespräch verläuft:

‚Die merken bestimmt, dass ich unsicher bin. Wenn ich nur an den Termin denke, oh je. Ich knabbere an den Fingernägeln. Wie sieht das wieder aus? Ich bin so nervös. Mein Herz schlägt. Die Finger sind feucht und glitschig. Bestimmt schlafe ich heute Nacht nicht. Am besten gehe ich noch einmal alle Unterlagen durch. Ich darf meinen Chef nicht enttäuschen und möchte doch endlich zeigen, was ich kann.'

Kommt Ihnen das bekannt vor? Die Gedanken fahren Karussell. Sie stellen sich Ihren Misserfolg bereits vor. Sie spüren, wie sich das Versagen in Ihrem Körper breit macht.

Der Kampf mit sich selbst, findet nur in Ihrem Kopf statt

Wer sich selbst gedanklich unter Druck setzt, wird sich am Tag X ganz sicher aufgeregt und unwohl fühlen. Dritte hingegen sehen nicht, dass Sie sich innerlich selbst abwerten. Doch andere spüren, dass Sie nervös und schwach sind. Ihre Unsicherheit und Angst übertragen sich auf der sensorischen Ebene. Dieser Schutzmechanismus ist ein Überbleibsel aus unserer Jäger- und Sammlerzeit, als es um das nackte Überleben ging. Niemand wird Sie einen Kopf kürzer gemacht, selbst wenn das Gespräch suboptimal läuft. Also Kopf hoch!

Anderes Szenario: Astrid A. liest darüber, wie wir das Denken und den Gefühlszustand verändern kann. Also führt sie am Vorabend des Gesprächs mit ihrem Chef bewusst den inneren Dialog mit sich selbst:

‚Ich fühle mich aufgeregt, wenn ich an morgen denke. Ich bin super vorbereitet. Ich gebe mein Bestes und nutze die Chance, die sich mir bietet. Ich bin gut so wie ich bin. Darauf bin ich stolz. Wenn ich aufgeregt bin, stelle ich mir den Stress wie eine Welle vor. Das ist wunderbar. Ich surfe auf ihr mit meinem Surfbrett und nehme die ganze Kraft der Welle mit.'

Ja, Menschen verstärken Ereignisse und Relevantes, wenn sie sich genau darauf konzentrieren. Und zwar

• positiv und kraftgebend: Auf der Welle surfen – wie in Szene 2.
• Negativ und erschöpfend: Von der Welle überrollt werden - wie in Szene 1.

Wir haben die Wahl. Es liegt an uns, welches Szenario wir uns vorstellen. Wir entscheiden, wie sich unser Denken auf unser Leben und unsere Ausstrahlung auswirkt.

Mentale Stärke entsteht auch dann, wenn wir unsere Gedanken bewusst positiv programmieren, zum Beispiel so:

Übung 1: Surfen Sie auf der Welle

Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl, ohne sich anzulehnen. Schließen Sie die Augen. Stellen Sie sich vor, wie es sich anfühlt auf der Welle zu surfen. Die salzige Brise, die wärmenden Sonnenstrahlen, das Meeresrauschen, der weite Horizont... Öffnen Sie Ihre Augen. Und spüren Sie nach, wie es Ihnen jetzt geht.

Haben Sie gerade noch Lust, sich vorzustellen, wie es sich anfühlt, von einer Welle überrollen zu lassen?

„Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab." 

Marc Aurel

Übung 2: Seien Sie sich selbst ein Quell der Kraft und Ruhe

Finden Sie einen angenehmen Platz und eine gemütliche Position. Liegend oder sitzend. Kommen Sie zur Ruhe und schließen Sie Ihre Augen. Kommen Sie an. Verfolgen Sie den Fluss Ihres Atems. Spüren Sie das Rauschen des Atems und nehmen Sie die aufkommende Ruhe in sich auf. Fühlen Sie Ihren Körper und schaffen Sie Raum für positive und frische Gedanken. Und sage Sie sich Sätze wie diese

  • Ich bin.
  • Ich bin einzigartig.
  • Ich wertvoll.
  • Ich bin ruhig.
  • Ich wachse an den Herausforderungen, die das Leben für mich bereithält.
  • Ich bin stark und selbstbewusst.
  • Ich bin genau richtig so wie ich bin.
  • Ich bin genug.
  • Ich gehe mit Leichtigkeit durch meinen Tag.


Was hat es mit dem inneren Dialog auf sich?

Wenn wir allein sind, haben wir die Chance, mit uns selbst zu sprechen. Einen Dialog mit sich selbst zu führen scheint paradox.

Warum handelt es sich bei dem inneren Dialog nicht um einen Monolog? Weil wir die Chance haben, uns mit unseren inneren Anteilen auseinanderzusetzen. Weil es möglich ist, unterschiedlichste Eindrücke zu verwerten, die damit zusammenhängen.

All das, was uns bewegt, bestimmt unser Denken. Unsere Erfahrungen, Gedanken, Gefühle und andere Sinneseindrücken aufnehmen, reflektieren und sortieren wir im Gedankenkarussell.

Wozu ist ein innerer Dialog nützlich?

Wir suchen einen Überblick über unser Leben. Wir wollen besser einschätzen, in welche Richtung wir unsere Zukunft lenken. Sicherheit, Beziehungen, Selbstwert, Freude, Kontrolle und Orientierung treiben uns wie ein versteckter Motor an.

Woher sonst wissen wir, wohin uns unser Leben führt? Wie erkennen wir sonst, was wir uns im tiefen Inneren vom Leben wünschen und erwarten? Der stärkende innere Dialog unterstützt uns dabei, das klamme Erleben von ungewissen und ängstigenden Ereignissen zu verkleinern. Je klarer wir uns sind, desto mehr kommen wir in einen Flow-Zustand. Im Idealfall haben wir Energie, Weitblick und finden den Zugang zu unserer Intuition.

Machen Sie einen konstruktiven inneren Dialog zu einer erfolgsversprechenden Gewohnheit. Und schreiben Sie mir, was Sie für sich auf Ihrer Gedankenreise entdeckt haben.

Kathrin Gillner ist Psychotherapeutin (VT), Psychologin M.Sc. und psychologische Online Beraterin. Vorwiegend Introvertierte und burnoutgefährdete Berufstätige arbeiten mit ihr zusammen. Ortsunabhängig bietet sie Menschen selbstwertstärkende Gespräche und Impulse für neue Perspektiven. Der Erfolg ihrer Arbeit basiert darauf, eingefahrene Emotions- und Verhaltensmuster zu überwinden, so dass ihre Klienten Energie tanken und selbstbewusst im Leben stehen.

 

Gastbeiträge in Susanne Kleiners Blog | wortwörtlichwirken

Bei den Gastautorinnen und Gastautoren in meinem Blog handelt es sich um Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner wortwörtlichwirken-Live-Online-Trainings. Kathrin war beim Live-Online-Texttraining für Freiberufler dabei. Danke, liebe Kathrin, für die erhellenden Informationen und die konkreten Übungen. 

 

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