Markenbewusste Solopreneure und Unternehmen erzählen inspirierende Geschichten, um sich kraftvoll zu positionieren. Katharina Iyen beschreibt als Gastautorin in meinem Blog, wie gutes Storytelling funktioniert.

von Katharina Iyen


Warum berührt und bewegt gutes Storytelling so viele Menschen? Es sind ihre Umwege, die Persönlichkeiten und Unternehmen besonders machen. Geschichten bauen emotionale Brücken zwischen Menschen – auch in der Werbung und im Verkauf. Ob Werbespot, Biografie, Social Media Content oder Roman: Geschichten wirken sinnstiftend und verbindend. Wie wäre es, deine Kunden mit Geschichten über Problemlösungen zu überraschen? Dich als Mensch zu positionieren, der Knoten löst? Es ist so wichtig, dass Menschen verstehen, und vor allem fühlen, welchen Mehrwert du, deine Produkte und Services liefern. Dann kaufen sie ein Stück Lebensgefühl bei dir ein. Wie du dich mit mutigem Storytelling von der Masse abhebst und Interesse weckst, beschreibe ich in diesem Blogbeitrag. Und ich erkläre dir zum Schluss, was es mit den zwölf Archetypen im Storytelling auf sich hat.


Berichte von deinen Herausforderungen: Kommuniziere selbstbewusst

Wie das klassische Drama leben richtig gute Geschichten von Aufstieg und Fall. Knackige Höhe- und Wendepunkte erregen Aufmerksamkeit. Ein Protagonist, der aalglatt durchs Leben geht, ist kein Held. Helden kommen aus dem Untergrund und tragen ein Geheimnis in sich. Sie leben Extreme, leiden unter körperlichen Makeln oder haben seelische Schäden. 

Menschliche Helden haben kein perfektes Curriculum. Genau das macht sie für uns so interessant: ihre Resilienz. 

Kennst du irgendeine faszinierende Story, in der von Anfang an alles super läuft? Bingo – die gibt's nicht. Stehe auch du zu deinen Schwächen, berichte von Niederlagen und schildere, wie du immer wieder aufstehst. Das ist der Stoff, der seit Jahrtausenden funktioniert.

Entscheide dich dafür, anders zu sein: Polarisiere

Ein bärtiger Opa läuft singend zwischen Edeka- Regalen und findet die Produkte „supergeil". Die Werbekampagne mit dem Berliner Künstler Friedrich Liechtenstein war ganz schön gewagt. Und sie wurde ein Mega-Hit. Klar, Edeka hatte mit Jung von Matt eine exquisite Agentur an Bord. Trotzdem: Es erfordert Mut, eine solche Kampagne zu schalten. Damit ist ein gewisses Risiko verbunden, Kunden könnten ablehnend reagieren. Also: Wer sich aufmerksamkeitsstark positionieren will, kann nicht jedem gefallen. Polarisiere. Nur so gewinnst du Follower und baust eine Fangemeinde auf.


Geniales Neuland ist da, wo noch keiner hinwill: Trau dich

Welche Geschichte erzählt Rosa Parks? Eine Frau, die im Bus sitzen blieb, stellvertretend für Millionen von Farbigen. Sie hatte den Schneid, ihre #blacklivesmatter-Bewegung ganz allein zu starten. Nimm Steve Jobs' Story: Er wurde in seinen jungen Jahren aus der Bank geworfen. Oft stank er, weil er nur einmal die Woche duschte und barfuß herumrannte. Jobs hatte eine für damalige Verhältnisse absurde Vision: Jeder Haushalt sollte einen eigenen Rechner besitzen. Das war revolutionär. 

Steve Jobs war der Typ 'durchgeknallter Hippie', den Banker nicht gerade lieben. Genau das kreierte seinen Mythos.


Wann, wenn nicht jetzt? Wage etwas

Hebe dich von der Masse ab. Das geht nur, wenn du etwas Neues machst oder etwas Gewagtes weiterentwickelst. Hand aufs Herz: Wir leben in der westlichen Hemisphäre in recht toleranten Zeiten. Beispiel gefällig? Obama hat dem Transgender-Vater, jetzt der zweiten Mutter, der Kardashian-Geschwister per Twitter zur gelungenen Geschlechtsumwandlung gratuliert. 

Zitat Obama: „Es braucht Mut, Deine Geschichte zu teilen". 

Der ehemalige Ringer und Olympia-Sieger Bruce Jenner ist nun eine Frau namens Caitlyn Jenner. Und zeigt sich der Weltöffentlichkeit. Machen die Umwege US-Fernsehikone Oprah Winfrey nicht interessanter und charismatischer? Dass sie die Tochter einer minderjährigen Mutter aus Mississippi ist, sogar sexuellen Missbrauch im Alter von neun Jahren erleben musste? Mit vierzehn Jahren verlor Sie ein Kind. Heute ist sie laut Forbes eine der mächtigsten Frauen der Welt. Wir brauchen alle Mut, uns zu zeigen. Nur dann kreieren wir etwas, das andere inspiriert.


Mutausbruch: Erzähl etwas Neues

Welcher große Maler, welcher gigantische Komponist hat seine Werke vor seinem Durchbruch so gestaltet wie es die Norm war? Genau: keiner. 

Stell Dir vor, Vincent van Gogh oder Pablo Picasso hätten fotorealistisch gezeichnet. Oder Mozart hätte Opern weiter auf Italienisch verfasst, nur weil es alle so gemacht haben. Keine magischen Sternennächte, keine Zauberflöte. Ohne Mut zu Einzigartigkeit wäre keiner von beiden in die Kunst- oder Musikgeschichte eingegangen. 

Zeige auch du, was an dir und deiner Arbeit einzigartig ist. Es muss nicht biografisch sein, auch eine inspirierende Fiktion kann Wunder wirken. Denke an Romane wie Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher Stowe oder Mein wunderbarer Waschsalon von Hanif Kureishi. Gute Geschichten wirken auf das Reale ein. Denn sie sprengen Normen. Sei, wer du bist. Inspiriere andere zum Mutausbruch!


Deine Geschichte – die Norm von morgen?

Gehe kurz in dich, atme durch. Denk nach: Hast auch du verrückte Stories zu erzählen? Oder welche, die dir peinlich sind? Geschichten, die du bislang versteckt hast? Millionen Leuten geht es ganz sicher wie dir. Warum wirst du nicht zum Sprachrohr für diese Gruppe Gleichgesinnter? Wenn du auf ‚steril' machst, bist du für das emotionale Wesen Mensch uninteressant. 

Wir wollen uns verbunden fühlen. Verbundenheit entsteht genau da, wo wir uns anderen öffnen und das zeigen, was kantig an uns ist. Denn an diesen eher diffizilen Stellen verbinden wir uns am intensivsten. 

Imperfektion gehört zum echten Menschsein wie die Luft zum Atmen. Ihr wisst es hoffentlich seit Pulp Fiction: „Personality goes its own way". Mut, Courage, Eigensinn – das ist der Stoff, aus dem inspirierende Stories gemacht sind.

 

Ich wünsche Euch viel Mut, Spaß und Erfolg mit Eurer Geschichte.

Eure Katharina

 

Für alle, die tiefer einsteigen wollen: Die Theorie hinter dem Storytelling

Storytelling in der Werbung erzählt eine Heldenreise. Um eine Handlung, den sogenannten Plot, zu entwickeln, sind zwölf Archetypen relevant. Sie definieren Charaktere, die in der Markenpositionierung als Vorlage für Plots dienen. Die Archetypen sind in vier Quadranten zu je drei Archetypen geclustert, die deren gemeinsames Thema zeigen. Ein Beispiel: Das Motiv ‚Change' besetzen der Rebell, der Zauberer und der Held. Der Rebell strebt nach Befreiung, der Zauberer nach Macht und der Held will die Herrschaft übernehmen. Probiere es aus und ordne jeden Menschen oder fiktiven Charakter einem der zwölf Archetypen zu. Wichtig dabei: Die Protagonisten suchen Lösungen und stehen immer wieder auf.

 

Buchtipps 

  • Werner T. Fuchs: Crashkurs Storytelling 
  • Gary Vaynerchuck: Storytelling in den sozialen Medien 
  • Walter Isaacson: Steve Jobs - Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers

  

Die Gastautorin Katharina Iyen studierte Deutsche Literatur und Philosophie in Karlsruhe und Heidelberg sowie Business Management mit Schwerpunkt Marketing & Medien in Heilbronn. Sie ist Scheffel-Preisträgerin der Literarischen Gesellschaft am Oberrhein. Als selbstständige Conceptionerin, Copywriterin und Consultant arbeitet Katharina im Digital Marketing und kreiert Text-Content für digitale Produkte und Services. Sie ist Gründerin der Text-Agentur EdiCut in Karlsruhe und Mit-Gründerin der Digital-Agentur [BusinessRebels] in Heidelberg. Sie ist Mitglied im Tink Tank Coworking-Netzwerk und regelmäßig vor Ort anzutreffen.

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Neu im Blog: Gastbeiträge

Bei den Gastautorinnen und Gastautoren in meinem Blog handelt es sich um Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner wortwörtlichwirken-Live-Online-Trainings. Katharina hat im virtuellen Klassenzimmer zum Thema "Kraftvoll präsentieren und souverän auftreten" ihre Storytelling-Expertise beeindruckend eingebracht. Danke, liebe Katharina, dass du meine Blog-Leserinnen und -Leser daran teilhaben lässt.

 

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