Es ist wertvoller denn je, persönliche Ressourcen zu mobilisieren und sich mental zu stärken. Denn nur wer sich selbst gesund führt, kann schließlich auch beruflich Großes bewegen, schreibe ich in der NJW 13/20; auch für Nicht-Juristen empfehlenswert.


Die Arbeitswelt ist dynamischer denn je. Erfolgsdruck lastet auf Kanzleien. Und viele Anwälte folgen dem Muster: Viel beschäftigt sein ist in. Das bleibt nicht ohne Spuren. Psychischer Druck ist normal. Steigende Burnout-Fälle alarmieren. Es ist also wertvoller denn je, persönliche Ressourcen zu mobilisieren und sich mental zu stärken. Nur wer sich selbst gesund führt, kann schließlich auch beruflich Großes bewegen. Denkanstöße für Ambitionierte.

Immer und überall online und erreichbar zu sein, ist das Diktat unserer turbulenten Geschäftswelt. Die Folge ist: Berufstätige opfern ihre seelische Balance. Und Krankheiten häufen sich. Vierzig Tage fallen Burnout-Patienten im Mittel angeblich aus.

Dass sich immer mehr Menschen die Sinnfrage stellen, überrascht also nicht. Denn Komplexität ist Alltag, sie zu verstehen oder sie gar zu beherrschen ist Utopie. Die Verantwortung lautet viel mehr, Komplexität zu meistern; das heißt mit ihr zu leben und sie sinnstiftend zu gestalten.

Das bedeutet anzuerkennen, dass es unmöglich ist, alles unentwegt unter Kontrolle zu haben und sich darauf vorzubereiten, Unvorhergesehenem gelassen zu begegnen. Und das meint auch, im Scheitern einen Türöffner für neue Optionen zu erkennen, Schwächen einzugestehen und auch um Hilfe zu bitten.

 

Bereit sein für Veränderung

Die Zeit ist reif, umzudenken: Wandel ist der Weg. Gut, dass immer mehr Veränderungswillige innehalten und reflektieren: Welche Überzeugungen und Denkmuster prägen mich? Welche Werte und Motive bewegen mich? Wie kann ich Kraft tanken, statt Energie zu verlieren? Wie agiere ich besonnen und gelassen? Wie erkenne ich, was mir wirklich guttut? Wie halte ich mich geistig und physisch flexibel? Ja, es ist kraftvoll, sich aktiv zu dem persönlichen Wandel zu bekennen. Es ist mutig, sich Neuem zu öffnen. Nicht obwohl viele Fragen nach verlässlichen Plangrößen unbeantwortet bleiben, sondern genau deshalb. Was in der Welt, politisch, gesellschaftlich und in der Wirtschaft passiert, ist nicht direkt oder kurzfristig beeinflussbar.

Sicherheit oder Vorhersehbarkeit im Außen gibt es folglich nicht. Selbstsicherheit im eigentlichen Wortsinn schon. Sie ist weit entwickelbar. Die Chance besteht darin, sich selbst zu führen, um stabiler und gesünder mit den vielfältigen Unwägbarkeiten unserer Zeit umzugehen.

 

Erfolg neu denken

Erfolgreiche Rechtsanwälte werden nicht mehr nur die fachlich herausragenden Umsatz-Booster sein. Ihr Markenzeichen wird mentale Stärke sein, die heute und morgen existenziell ist.

Mit mentaler Stärke geht eine Haltung einher, die das Rollenverständnis des tradierten Berufsbildes entschieden überwindet: hin zu einem Erfolgsbegriff, der die Balance zwischen juristischer Kompetenz und inneren Ressourcen ins Zentrum rückt.

Dieses Verständnis zahlt sich überdies in der Rekrutierung aus. Ja, der Berufsnachwuchs strebt mehrheitlich danach, sich nicht nur fachlich, sondern auch persönlich weiterzuentwickeln. Dazu kommt der Wunsch nach Teilzeitarbeit oder Elternzeit. Aus gutem Grund bieten attraktive Arbeitgeber Perspektiven, Soft Skills zu erlernen und präsentieren sich wandelbar, wenn es um flexible Arbeitszeitmodelle und Stellenbeschreibungen geht.

 

Innere Kräfte mobilisieren

Rechtsanwälte der Zukunft machen sich ihre persönlichen Werte, Ziele, Interessen und Bedürfnisse bewusst; sie gönnen sich Pausen, nehmen Auszeiten und sorgen gut für sich; sie sagen „Nein", nehmen Hilfe an oder entwickeln Alternativen gemeinsam im Team. Ihr Erfolgsmerkmal:

Sie sind stark, wenn sie Schwächen eingestehen. Sie sind mit sich im Reinen und lassen nicht den Autopiloten die Richtung vorgeben. Selbstbewusste Charaktere entscheiden sich aufrichtig für oder gegen etwas und stehen auch dazu.

Wissen zu bunkern und gegen andere zu arbeiten, ist passé. Silodenken tut keinem gut. Empathie und Wohlwollen veredeln das Miteinander. Und: Wenn Komplexität herkömmlichen Entscheidungskriterien die Aussagekraft raubt, leistet die Intuition als innerer Kompass mehr und mehr wertvolle Dienste.

 

Sich mit dem Wandel wandeln

Die Digitalisierung stellt Vertrautes auf den Kopf. Sicher ist: Wertschätzung, Anerkennung, Zugehörigkeit, Verbundenheit, Sicherheit und Gesundheit bleiben zentrale menschliche Bedürfnisse. Das schließt den respektvollen Kontakt zu sich selbst ein. Wer diese Qualitäten achtsam lebt und sie in seinem direkten Umfeld erlebt, arbeitet gesünder und zufriedener – und geht gut mit anderen um. Um kritische Einwände vorwegzunehmen: Es geht keineswegs darum, juristische Kompetenzen und professionelle Exzellenz geringzuschätzen. Nein, erstklassige Rechtsberatung ist und bleibt ausschlaggebend. Deshalb ist es für zielorientierte Rechtsanwälte maßgeblich, außen und innen im Gleichgewicht zu leben.

Denn wer geistig klar ist, arbeitet konzentrierter, ist leistungsfähiger und entwickelt seine Resilienz weiter. Komplexität meistert also, wer sich selbst bewusst führt. Zeit in die persönliche Veränderung zu investieren, ist ein Gewinn.

 

"Erfolg neu denken und eigene Ressourcen lenken" ist in der NJW Neue Juristische Wochenschrift 13/20 erschienen.

 

Wie gelingt es Ihnen, gut für sich zu sorgen? 

Schreiben Sie mir.

 

Ihre und Eure

Susanne Kleiner

 

 

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