Anwälte stehen unter permanentem Druck, Spitzenperformer zu sein. Als Juristen-Coach plädiere ich für einen Wertewandel in deutschen Kanzleien hin zu mehr innerer Balance. Mein Gastkommentar im FOCUS-SPEZIAL "Ihr Recht 2019", Nr. 3.

Schneller, effizienter, rentabler, so lautet das Credo unserer heutigen Berufswelt. Wir sind immer und überall erreichbar. Viel beschäftigt zu sein ist in, Komplexität ist Normalität. Auch und gerade unter Anwälten gilt als beruflich kompetent, wer fortlaufend Umsätze erhöht, positive Ergebnisse einfährt und dank permanenter Spit- zenleistungen glänzt. Anwaltskanzleien scheinen ein geradezu ideales Biotop für das Gedeihen dieses Erfolgstyps zu sein. Doch das Bild beginnt zu bröckeln. Aus meiner Praxis weiß ich: Viele Juristen stellen sich die Sinnfrage. Psychischer Stress nimmt zu. Und Krankenkassen melden immer mehr Burnout-Fälle – 40 Tage sollen Betroffene im Schnitt krankgeschrieben sein.

„Komplexität meistern!" heißt daher das Gebot der Stunde. Meistern bedeutet zunächst: erkennen, dass es unmöglich ist, alles unentwegt im Griff zu haben. Meistern meint aber auch, Unvorhergesehenem gefasst zu begegnen, Scheitern als Chance anzuerkennen und Unterstützung anzunehmen. Dass Spitzenleistungen allein nicht genügen sollen, trifft das Selbstverständnis fast aller Juristen im Kern. 

Es braucht daher mentale Stärke und eine Haltung, die den Habitus des etablierten Berufsbildes mutig durchbricht: hin zu dem Verständnis, dass es auf die Balance zwischen fachlicher Kompetenz und inneren Ressourcen ankommt. 

Anwälte der Zukunft sorgen gut für sich – auch bei der Arbeit. Das Leben muss nicht draußen vor der Kanzleitür bleiben. 

Lebensbejahend handelt, wer seine Werte, Ziele, Interessen und Bedürfnisse verinnerlicht und auch im Job dafür einsteht. Juristen, die mit sich im Reinen sind, sind sich selbst ein Anker und bewahren innere Distanz. Sie brechen Silodenken auf und begegnen sich und anderen empathisch und wohlwollend. Mandanten und Kollegen fühlen sich in ihrer Gesellschaft wohl. Auch Intuition gewinnt als innerer Kompass an Bedeutung. Wachsame Gemüter fragen sich: Was brauche ich, um in meiner Kraft zu bleiben? Welcher Mensch möchte ich bei der Arbeit sein?

Um voreiligen Schlüssen vorzubeugen: Es geht keineswegs darum, juristische Expertise und hohe Professionalität gering zu schätzen.

Nein, Exzellenz in der Rechtsberatung ist und bleibt tragend. Genau deshalb ist erfolgsentscheidend, außen und innen im Gleichgewicht zu leben. Denn das wirkt: Wer mental stark ist, gewinnt geistige Klarheit, arbeitet konzentrierter, ist leistungsfähiger und entwickelt seine Resilienz weiter.

Komplexität meistert also, wer sich selbst bewusst führt – und bei anderen diese Freiheit fördert. Richard Barrett, ein Vorreiter der werteorientierten Unternehmensführung, pointiert: Nicht Organisationen verändern sich, es sind die Menschen darin, die sich wandeln. Inhaber und Führungskräfte, die sich mit dem Wandel wandeln und diese Entwicklung fördern, prägen die Unternehmenskultur wertvoll und bestimmen den Erfolg von Kanzleien wegweisend mit.

 

Mein Gastkommentar "Den Habitus durchbrechen" ist erschienen im FOCUS-SPEZIAL "Ihr Recht 2019", Nr. 3.

 

Was tun Sie, um Ihre Balance zu halten?

Was wünschen Sie sich, von sich selbst und anderen?

 

Schreiben Sie mir.

Ihre und Eure

Susanne Kleiner

 

 

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