Wie Kanzlei-PR mandanten- und mitarbeiternah funktionieren kann, wenn Corona die Arbeitswelt quasi über Nacht auf den Kopf stellt, erzählt mir Katharina Ebbecke im Interview.

Corona hat vielen Kanzleien gezeigt, dass sie wandlungsfähiger sind als bislang vermutet. Wie eine stringente Kanzleikommunikation Mandanten durch die Krise begleiten kann, erlebt Katharina Ebbecke in dieser Zeit. Die PR- und Marketing-Verantwortliche bei Melchers in Heidelberg berichtet mir im Gespräch, wie sie den Ausnahmezustand kommunikativ begreift und welche Aktivitäten Kreise ziehen.

Wie hat Sie die Krise ereilt?

Es hat uns sehr geholfen, dass wir in den letzten Jahren stark auf die Digitalisierung der Kanzleivorgänge gesetzt und in die IT-Ausstattung investiert haben. Das hatte uns zwischendurch viel Zeit und Nerven gekostet. Jetzt fahren wir die Ernte ein und sind sehr froh darüber. Mit Corona hat sich Melchers in nur wenigen Tagen in eine virtuelle Kanzlei verwandelt – zum größten Teil jedenfalls.

Plötzlich saßen fast fünfzig Anwälte und auch Sekretärinnen im Home-Office, während vor der Krise nur wenige Mitarbeiter zuhause gearbeitet haben.

Sie verantworten nun schon seit fünf Jahren PR und Öffentlichkeitsarbeit bei Melchers. Wie haben Sie Ihre Kommunikation dem Ausnahmezustand angepasst?

Mit Beginn der Krise haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen in vielen Rechtsgebieten fast täglich verändert. Das haben wir thematisch in unserer Kanzleikommunikation verankert. In unserem Blog haben wir eine spezielle Seite „Coronakrise" eingerichtet. Wir haben rechtsgebietsspezifisch Newsletter an unsere Mandanten verschickt und individuell per E-Mail oder Telefon auf diesen Corona-Content hingewiesen.

Und die April-Ausgabe unseres Magazins „melchers law", das online und gedruckt erscheint, haben wir kurzentschlossen unter das Thema „Corona und Recht" gestellt.

Außerdem haben wir die Texte ins Englische übersetzt und über unser Netzwerk „Ally Law" international veröffentlicht. Es ist schön zu sehen, dass die Kommunikation Kreise zieht.

Nach welchen Kriterien bespielen Sie den Blog „Coronakrise" und wie schaffen Sie es, hohe Klickzahlen zu erreichen?

Wichtig ist, dass wir Themen behandeln, die für unsere Mandanten relevant und aktuell sind. Wir betreuen viele mittelständische Unternehmen, die keine eigene Rechtsabteilung haben. Deshalb ist es wichtig, leserfreundlich zu agieren. Beiträge kommen dann an, wenn sie für Nicht-Juristen verständlich sind.

Probleme en detail zu behandeln, ist hier weniger gefragt. Es geht darum, ein Problembewusstsein zu wecken und Lösungen in Aussicht zu stellen.

Immer mehr Anwältinnen und Anwälte kommen zurzeit von sich aus auf mich zu, weil sie gerade jetzt online veröffentlichen wollen. So finden die User in unserem „Corona-Blog" eine breite Themenvielfalt vom Arbeitsrecht über das Gesellschaftsrecht und dem Datenschutzrecht bis hin zu Baurecht oder Sportrecht. Diese Informationsdichte hatten wir vorher nicht. Zum Thema Reichweite: Wir verlinken von unseren Social-Media-Kanälen auf die Autorenbeiträge unserer Anwälte. Und die Kollegen teilen die Artikel auch auf ihren persönlichen Accounts. Diese flankierenden Maßnahmen wirken sich spürbar auf die Klickzahlen aus.

Kollegen ergreifen Initiative und liefern Beiträge für Ihren Blog. Das klingt nach einem paradiesischen Zustand für die Kommunikationsbeauftragte der Kanzlei...

Als ich bei Melchers angefangen habe, habe ich viel darüber informiert, wie Kanzlei-PR und Online-Kommunikation funktionieren und wie wichtig der mediale Dialog mit potenziellen Bewerbern, Mandanten oder Journalisten ist. Systematisch online und offline zu kommunizieren, war für viele in dieser Konsequenz neu. Das ist längst Vergangenheit.

Die regelmäßige PR-Arbeit wird anerkannt und die Resonanz belohnt die Initiative unserer Autoren.

Das freut mich persönlich sehr. Leser greifen zum Telefon und lassen sich individuell beraten.

Wie haben Sie intern kommuniziert, was sich organisatorisch verändert hat und wie stellen Sie sicher, dass die Kanzleikultur noch spürbar bleibt?

Unsere Equity-Partner haben von Anfang an regelmäßig alle Mitarbeiter darüber informiert, welche Veränderungen anstehen und welche Maßnahmen wir ergreifen. Videokonferenzen der einzelnen Praxisgruppen haben sich fest etabliert und stoßen auf Zustimmung. Mein Eindruck ist:

Wir alle freuen uns schon darauf, wenn wir wieder im Büro sind, einander begegnen und uns auch informell austauschen.

Das kommt im Moment etwas zu kurz. Deshalb haben wir unser internes Kanzlei-Event „Think & Drink" zum ersten Mal virtuell organisiert. Die angestellten Anwälte haben dazu ein Paket mit Wein und Oliven nach Hause bekommen. Das war eine gelungene Sache. Ich habe mich meinen Kollegen sehr nahe gefühlt und sie gleichzeitig sehr vermisst.

Was lernt Melchers in dieser Phase und was von all den Erkenntnissen werden Sie in die Zukunft hinüberretten? Was wünschen Sie sich persönlich in Ihrer Funktion als Kanzleikommunikatorin?

Wir können stolz darauf sein, so anpassungsfähig zu sein. Wie flexibel und technisch gut ausgerüstet wir sind, dürfen wir nun erleben. Home-Office und Videokonferenzen funktionieren und spielen sicher in Zukunft eine größere Rolle.

Remote-Lösungen ersetzen jedoch den direkten Austausch auf Dauer nicht.

Ich wünsche mir, dass die Kollegen auch nach der Krise so „mitteilsam" bleiben.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Katharina Ebbecke ist Volljuristin und seit 2015 bei MELCHERS für die Bereiche PR, Marketing und Recruiting zuständig. Vorher war sie bei einem Unternehmen in der Submetering-Branche tätig sowie zeitweise Vollzeitmutter von fünf Kindern.

 

Das Interview "Corona und Content: Kanzleikommunikation in der Krise" ist in der NJW Neue Juristische Wochenschrift 25/20 erschienen.


Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrer Kommunikation in Zeiten der Pandemie gemacht? Was hat gut funktioniert? Was haben Sie neu aufgesetzt?

Schreiben Sie mir.


Ihre und Eure

Susanne Kleiner


 

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